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Die "Corona Warn-App" - ein quick & dirty UX Expertenreview

Gestern wurde die Corona Warn-App in Deutschland veröffentlicht. Vor der Veröffentlichung gab es allerdings viele Diskussionen über den Datenschutz und die Datensicherheit, aber ein Aspekt, der nirgendwo erwähnt wurde, war der Aspekt der einfachen Bedienung und Usability. Heute werde ich kurz die Usability der App überprüfen und vielleicht einige Verbesserungsvorschläge unterbreiten.
Jun
17
2020

Hintergrund

Am 16. Juni 2020 wurde die staatlich geförderte App "Corona Warn App" über den Google Play Store und den Apple App Store für die deutsche Bevölkerung veröffentlicht. Die App wurde von der Deutschen Telekom und SAP entwickelt. Ziel und Zweck ist es, deutsche Bürger über ihren individuellen COVID-19-Risikostatus zu informieren, indem der Kontakt zu anderen Personen gesucht wird, die die App ebenfalls auf ihren Smartphones installiert haben. Diese Überprüfung wird auch einige Rückmeldungen von Kollegen, Freunden und Verwandten enthalten, die die App in den letzten 24 Stunden ebenfalls auf ihren Telefonen installiert haben.

Schritt 1: Installation der App aus dem Google Play / Apple App Store

Am ersten Tag der Verfügbarkeit schien die größte Hürde für viele potenzielle Nutzer die Tatsache gewesen zu sein, dass die App einfach nur sehr schwer zu finden war. In beiden App-Stores wurde bei der Suche nach "Corona", "COVID" oder sogar "Corona warn app" (der vollständige Name der App) kein Link zu der App angegeben. So blieb den Suchenden nur noch die Wahl, die App zu googeln und zu hoffen, dass sie den Link zur App über andere Websites finden.

Viele meiner Bekannten erzählten, dass sie die App gegoogelt und dann auf der Seite einer Online-Zeitung oder eines Online-Magazins den Link zur App Store Seite gefunden haben. Seit heute Morgen scheint dieses Problem gelöst zu sein (wahrscheinlich haben die Stores von Google und Apple gestern Abend ihre Suchrelevanztabellen aktualisiert), und heute erscheint die App in beiden Stores als erste Übereinstimmung für relevante Suchbegriffe in Deutschland.

Mehrere meiner Freunde erzählten mir außerdem, dass sie den Empfehlungslink direkt an ihre Verwandten geschickt hätten, um ihnen die Suche zu ersparen. Positiv zu vermerken ist, dass die App einen sichtbaren Link bietet, um den Speicherort des Apps-App-Stores für andere freizugeben.

Mehrere Personen, mit denen ich den Installationsprozess besprach, wiesen darauf hin, dass sie ältere Verwandte haben, die noch iPhones der älteren Generation (6 und älter) benutzen und deshalb von der Installation der App ausgeschlossen wurden. Soweit mir bekannt ist, benötigt die App eine bestimmte Art von Bluetooth-Funktion, die bei diesen Telefonen nicht verfügbar ist. Da nach meiner Erfahrung viele ältere Bürger dazu neigen, ihre Smartphones nicht so häufig zu aktualisieren, wie es bei jüngeren Generationen üblich ist, oder die von ihren jüngeren Verwandten überlieferten Telefone zu benutzen, erreicht die App möglicherweise nicht eine kritische Anzahl von Bürgern - viele von ihnen gehören zur Risikogruppe für einen schwereren Verlauf der COVID-19-Infektion. Leider zeigt der Apple App Store nur die Meldung an, dass iOS13.5 oder neuer erforderlich ist, um die App zu installieren, gibt aber keine Informationen darüber, was der Benutzer in diesem Moment tun kann, wenn er IOS13.5 nicht installiert hat ("versuchen Sie, die Software zu aktualisieren" "iOS 13.5 ist nur auf iPhone 7 oder neuer verfügbar").

Schritt 2: Installation

Der Installationsprozess der App ist recht einfach - er kann durch wiederholtes Drücken eines gut erkennbaren Buttons am unteren Bildschirmrand abgeschlossen werden.

Die in den einzelnen Schritten des Installationsprozesses vermittelten Informationen sind jedoch weder für ein schnelles Lesen strukturiert, noch sind sie in einfacher Sprache verfasst. Benutzer, die keine Muttersprachler sind, Lernbehinderungen haben oder an Legasthenie leiden, könnten Schwierigkeiten haben, die relevanten Informationen zur Funktionsweise der App zu verstehen. Texte wie dieser "Die verschlüsselten Zufallscodes geben nur Auskunft über das Datum, die Dauer und die anhand der Signalstärke berechnete Entfernung zu Ihren Mitmenschen. Persönliche Daten wie Name, Adresse und Aufenthaltsort werden zu keiner Zeit erfasst.könnte in Aufzählungspunkte gegliedert werden, und Schlüsselaspekte könnten durch Verwendung passender Symbole hervorgehoben werden. Dies würde es bereits erleichtern, die bereitgestellten Informationen schnell einzusehen und zu verstehen.

Da die App am besten funktioniert, wenn sie von vielen Menschen benutzt wird, empfehlen wir außerdem die Implementierung eines Switch, der es dem Nutzer ermöglicht, die Sprache auf dem Bildschirm auf "einfache Sprache" umzuschalten. https://de.wikipedia.org/wiki/Einfache_Sprache ).

In Deutschland müssen wir auch bedenken, dass es einen relevanten Teil der Bevölkerung gibt, der derzeit noch die deutsche Sprache lernt oder gar nicht Deutsch spricht (z.B. Flüchtlinge, Langzeit-Geschäftsreisende oder Touristen, die derzeit aufgrund einer Sperre nicht in ihr Heimatland zurückkehren können). Die App ist derzeit in Deutsch und Englisch verfügbar, was diese Zielgruppe bei der Nutzung der App bereits sehr unterstützt- und damit letztlich dazu beiträgt, das Infektionsrisiko für uns alle zu verringern. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die Übersetzung der App in weitere Sprachen auch denjenigen helfen könnte, die keine dieser beiden Sprachen fließend beherrschen.

Schritt 3: Nutzung der App

Nach der Installation gibt es weiterhin Probleme mit der Sprache (wie oben in den Installationsschritten beschrieben), obwohl einige Anstrengungen unternommen wurden, lange Texte aufzuschlüsseln. Zum Beispiel in den Informationen über den individuellen Risikozustand. Hier werden Informationen über empfohlene Verhaltensweisen in einer Liste kurzer Texte strukturiert und mit passenden Icons illustriert, wodurch das Verstehen dieser Ratschläge vereinfacht wird.

Ein weiterer positiver Aspekt: Die App bietet zahlreiche Informationen über ihre Funktion und darüber, wie sie die Privatsphäre ihrer Nutzer zu schützen versucht. Meine Freunde und meine Familie waren meist zufrieden mit den Informationen, die zur Verfügung gestellt wurden. Auf der anderen Seite gibt es jedoch einen Aspekt, den viele meiner Freunde und Kollegen kritisiert haben: Sie sind sich nicht sicher, ob die App im Hintergrund weiterlaufen würde, wenn sie sie schließen würden. Leider bietet weder die App selbst noch die verlinkte FAQ-Seite Informationen dazu..

Wir empfehlen, diese Informationen ständig auf dem Hauptbildschirm der App oder zumindest als letzten Schritt im Installationsprozess und in den FAQs zur Verfügung zu stellen.

Zusammenfassung

Für den durchschnittlichen deutschen Nutzer scheint die App (zum heutigen Zeitpunkt) einfach genug zu installieren und zu benutzen zu sein. Die Frage der Offenhaltung der App sollte jedoch angesprochen werden. Es muss auch darüber nachgedacht werden, dass ein nicht unbedeutender Teil der Bevölkerung aufgrund fehlender Hardware nicht in der Lage sein wird, die App zu installieren - zumindest müssen sie darüber informiert werden, welche Optionen sie haben oder welche Schritte sie unternehmen müssten, um die App ausführen zu können.

Für Nicht-Muttersprachler, Deutschlernende, Besucher, Menschen mit eingeschränkten kognitiven Funktionen oder für Legastheniker ist die App wahrscheinlich einfach zu installieren (wenn es ihnen egal ist, was sie zustimmen, wenn sie während des Installationsprozesses auf die Schaltfläche "Weiter" klicken). Allerdings wäre die App für diese Benutzer wahrscheinlich attraktiver (und die Nutzungsraten würden wahrscheinlich profitieren), wenn die Informationen in der App besser strukturiert wären und wenn sie auf einfache Sprache umschalten könnten.

Wir hoffen, dass diese Fragen in zukünftigen Updates behandelt werden, damit noch mehr Menschen die App installieren können und wir uns und unsere Gemeinschaft vor COVID-19 schützen können.

Update – 17.06.2020

Einige unserer Leser haben uns kontaktiert und darauf hingewiesen, dass es eine englische Version der App gibt, die installiert wird, wenn die Systemsprache auf Englisch eingestellt ist. Wir haben unseren Text enstprechend angepasst, um diesen Informationen Rechnung zu tragen.
Vielen Dank an alle aufmerksamen Leser*innen.

DER AUTOR

Jan Panhoff

Jan begann seine Tätigkeit als UX-Profi im Jahr 2004 nach Abschluss seines M.Sc. in Digitalen Medien. 10 Jahre lang unterstützte er eBay als Embedded UX-Berater. Seine Schwerpunkte bei uintent liegen in der Automobil- und Innovationsforschung.
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