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UX im Gesundheitswesen: Worauf es bei Interviews mit Patient:innen wirklich ankommt

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24. Apr. 2025

Es ist ein gutes Zeichen: Immer mehr Unternehmen im Gesundheitswesen erkennen, wie wichtig nutzerzentrierte Produktentwicklung ist. Besonders in der Medizintechnik kann gute UX-Research einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit und Wirksamkeit von Produkten leisten. Doch gerade dann, wenn Patient:innen selbst in die Forschung einbezogen werden – etwa in Interviews – kommen schnell Herausforderungen auf. Das gilt vor allem bei sensiblen Zielgruppen, zum Beispiel Menschen mit Alzheimer oder anderen kognitiven Einschränkungen.


Vertrauen und Sicherheit stehen an erster Stelle

Um wirklich patientenzentrierte Lösungen zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie Menschen mit ihrer Erkrankung leben – mit all ihren Sorgen, Einschränkungen und täglichen Herausforderungen. Dabei können wir aber nicht davon ausgehen, dass Patient:innen von sich aus relevante Informationen preisgeben. Warum? Vielen fällt es schwer, intime Details über ihre Gesundheit mit Fremden zu teilen – was wir als UX-Researcher:innen in der Regel sind, besonders wenn wir keinen medizinischen Hintergrund haben.


Unsere wichtigste Aufgabe als Moderator:innen ist es daher, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Teilnehmende sicher und wohlfühlen. Ihr emotionales und körperliches Wohlergehen sollte immer Vorrang vor unseren Forschungszielen haben.


Offenheit ist dabei der Schlüssel: Patient:innen sollten frühzeitig über den Ablauf informiert werden: über Dauer, Ablauf, Aufgaben, Sicherheitsaspekte, mögliche Beobachter:innen und ob die Sitzung aufgezeichnet wird. Diese Vorbereitung gibt ihnen die Möglichkeit, sich besser auf die Situation einzustellen und etwaige Bedenken schon vorab zu äußern.


Noch wichtiger bei Remote-Interviews

Gerade in virtuellen Settings ist es entscheidend, eine gute Verbindung zwischen Interviewer:in und Teilnehmenden herzustellen. Kamera einschalten allein reicht nicht. Blickkontakt halten, mit Mimik und Gestik Empathie zeigen, aufmerksam zuhören – all das hilft, Nähe aufzubauen. Auch der Rahmen muss stimmen: Ein ruhiger, störungsfreier Raum schafft die nötige Konzentration für ein vertrauensvolles Gespräch.


Flexibilität ist gefragt

Erkrankungen oder Behinderungen bringen oft Einschränkungen mit sich, die wir im Interview-Setup unbedingt berücksichtigen müssen. Das gilt im Gesundheitsbereich ganz besonders. In vielen Fällen ist es sinnvoll, statt im Labor zu Hause bei den Teilnehmenden zu testen – etwa, wenn eine Anreise nicht möglich oder zu anstrengend ist. Auch die Begleitung durch eine Betreuungsperson kann für mehr Sicherheit sorgen. Eine ausführliche Vorbereitung mit klaren Informationen nimmt Ängste und gibt Patient:innen das Gefühl, gut aufgehoben zu sein.


Tipps für gelungene Interviews:


Lass Dir Zeit

Gib den Teilnehmenden Raum, um Gedanken zu sammeln. Wer zu viel Druck macht oder mit allen Tricks versucht, an Informationen zu kommen, erreicht oft das Gegenteil: Die Gespräche bleiben oberflächlich. Meine Erfahrung zeigt: Viele Patient:innen öffnen sich erst nach und nach – manchmal erst gegen Ende des Gesprächs. Wenn Du das Gefühl hast, dass sie zu Beginn noch nicht bereit sind, über ihren psychischen oder physischen Zustand zu sprechen, versuche es einfach später noch einmal.


„Wenn Du tiefes Mitgefühl zeigst, sinkt die Abwehrhaltung – und es entsteht positive Energie. Dann wird kreatives Problemlösen erst möglich.“– Stephen Covey, Professor an der Jon M. Huntsman School of Business, Utah State University

Weniger reden, mehr zuhören

Sprich weniger – höre mehr zu. Achte dabei nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf Körpersprache und Mimik. Gerade bei sensiblen Themen wie Schmerzen zeigen sich Unsicherheiten oft nonverbal. Auch Deine eigene Körpersprache ist wichtig: Ein offenes, zugewandtes Auftreten, ein Lächeln an der richtigen Stelle, echtes Interesse – all das hilft, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.


Sei gut vorbereitet

Mach Dich im Vorfeld mit der jeweiligen Erkrankung vertraut. Gibt es besondere Bedürfnisse oder mögliche Komplikationen während des Gesprächs? Diese Kenntnis hilft nicht nur bei der Gesprächsführung, sondern kann auch dabei helfen, Risiken zu vermeiden. Beispiel: Wenn jemand im Rollstuhl sitzt, sollte der Interviewraum barrierefrei sein. Wenn jemand eine Gehhilfe benutzt, achte darauf, dass keine Kabel herumliegen.


Fazit

Empathie und Vorbereitung sind die Grundlage erfolgreicher UX-Forschung im Gesundheitswesen. Wer Vertrauen schafft, individuell auf die Bedürfnisse der Patient:innen eingeht und sich gründlich vorbereitet, erhält nicht nur bessere Erkenntnisse – sondern trägt auch dazu bei, dass Healthcare-Produkte wirklich helfen. Im UX-Bereich des Gesundheitswesens ist Aufmerksamkeit für Details nicht einfach nur hilfreich – sie ist unverzichtbar.

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AUTHOR

Tabea Daunus

Tabea ist eine unserer UX Researcherinnen in Hamburg, die seit 2015 User Research Studien durchführt. Als zertifizierte Medical Device-Usability-Expertin (TÜV) interessiert sie sich vor allem für den Bereich der Medizinprodukte-Usability / Human Factors Research. Normen und Richtlinien schrecken sie nicht, und sie arbeitet gerne mit Liebe zum Detail. Neben der Forschung ist sie bei uintent für das Qualitäts- (ISO 9001) und Informationssicherheitsmanagement (TISAX) zuständig.



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