
AUTOMATION, AUTOMOTIVE UX, AUTONOMOUS DRIVING, GAMIFICATION, TRENDS
Die letzte Hürde: Wie unsichere Automatisierung das Vertrauen in ADAS bricht
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18. Dez. 2025
Nachdem wir die Ablenkungsrisiken des Touchscreens und das Vertrauensdilemma der Sprachsteuerung beleuchtet haben, wenden wir uns der finalen Stufe der HMI-Evolution zu: den Fahrerassistenzsystemen (ADAS) und dem automatisierten Fahren. Mit Level 2 und 3 geben Fahrer die Kontrolle schrittweise ab. Doch dieses "Übergabeproblem" führt zu einem gefährlichen Phänomen: der "Vertrauensfehlkalibrierung" (Trust Miscalibration).
In unserem Vortrag „Touch, Trust and Transformation" auf der UXMC 2025 haben wir dargelegt, dass das größte Sicherheitsproblem nicht die Technik selbst ist, sondern das menschliche Vertrauen in sie.
Das Versprechen vs. Die Realität: Vertrauen in die KI
Das Versprechen des automatisierten Fahrens ist klar: Weniger Unfälle, weniger Stress und eine effizientere Nutzung der Fahrzeit. Statistiken zeigen, dass bis zu 90 Prozent aller Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Hier soll die Technologie Abhilfe schaffen. (Quelle: https://www.spiegel.de/auto/autonomes-fahren-us-studie-sieht-weniger-unfallgefahr-als-bei-menschlichen-fahrern-a-f9b71de2-3fa7-47d0-9bd1-a85fe645bcdd).
Doch in der Wahrnehmung der Nutzer herrscht tiefe Skepsis, insbesondere in Deutschland:
Sicherheitsbedenken: Trotz hoher Test-Bereitschaft werden Sicherheitsbedenken geäußert, vor allem in Bezug auf Hacker-Angriffe während der Fahrt. (Quelle: Studie von Detecon: Autonomes Fahren: Hohe Test-Bereitschaft, aber Sicherheitsbedenken)
Ethik und Haftung: Die Frage der Haftung bei einem unvermeidlichen Unfall und die Programmierung von Algorithmen (das Moralische Dilemma), die Entscheidungen über Leben treffen müssen, bleiben ungelöste gesellschaftliche Herausforderungen, die das Vertrauen untergraben. (Quelle: Autonomes Fahren und digitale Ethik: Wer entscheidet? - Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)
Vertrauensproblem: Ein weiteres, grundlegendes Vertrauensproblem zeigt sich in unseren Nutzertests immer wieder: Viele Fahrer zweifeln daran, dass das Fahrzeug wirklich alles Relevante in der Umgebung erfasst. Dieses Misstrauen lässt sich adressieren, indem das System visualisiert, was es "sieht", also erkannte Fahrzeuge, Fußgänger oder Hindernisse in Echtzeit darstellt. Einige Hersteller wie Tesla setzen diesen Ansatz bereits um, und das schon bei Fahrzeugen ohne vollautonome Fahrfunktion.
Das Phänomen: Vertrauensfehlkalibrierung
Das größte Risiko in teilautomatisierten Fahrzeugen (Level 2 und 3) ist das sogenannte Vertrauenskalibrierungsproblem (Trust Calibration). Idealerweise sollte das Vertrauen des Fahrers angemessen sein – also nur so hoch, wie die tatsächliche Systemleistung es rechtfertigt.
Die Realität zeigt zwei gefährliche Abweichungen, beides Formen der Fehlkalibrierung:
Übervertrauen (Overtrust): Der Fahrer vertraut dem System zu sehr (z. B. bei Stauassistenten) und ist mental abwesend. Wenn das System plötzlich eine Übernahme anfordert, ist der Fahrer nicht in der Lage, schnell genug und sicher zu reagieren. Die kognitive Belastung steigt im Moment der Übergabe extrem an. In unseren Real-Verkehr-Studien haben wir beobachtet, dass Fahrer in Stresssituationen, teilweise mehr als 10 Sekunden benötigten, um wieder bereit für die manuelle Steuerung zu sein, signifikant mehr, als aus Simulatorexperimenten zu erwarten war.
Untervertrauen (Distrust): Der Fahrer vertraut dem System zu wenig und greift unnötigerweise in die Steuerung ein. Dies stört die Systemfunktion und führt ebenfalls zu Frustration und potenziell gefährlichen Manövern.
Forschungsergebnisse bestätigen: Transparenz, Kompetenz und Zuverlässigkeit sind die Schlüssel, um Vertrauen in autonome Fahrzeuge zu schaffen und die Nutzungsbereitschaft zu steigern. (Quelle: Dem Auto blind vertrauen? – Einflussfaktoren auf das Vertrauen in autonome Fahrzeuge - Uni Trier)
