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Wenn der Text zu glatt ist: Wie man KI-Sprache menschlicher macht
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4. Sept. 2025
Künstliche Intelligenz kann schreiben. Und das ziemlich gut. Jedenfalls auf den ersten Blick. Sie formt perfekte Sätze, kennt unzählige Textsorten, liefert blitzschnell Gliederungen, Überschriften, sogar Teaser. Doch wer öfter mit KI-generierten Texten arbeitet, merkt schnell: Diese Texte haben eine eigene Stimme. Und diese Stimme klingt… künstlich. Nicht immer, aber oft.
Sie ist höflich, glatt, diplomatisch. Sie liebt Einleitungen mit „Im Zeitalter von…“ und endet gern mit „Zusammenfassend lässt sich sagen…“. Sie ist nicht falsch – nur leer. Und das ist ein Problem. Vor allem, wenn es um UX geht, um Vertrauen, Haltung, Verständlichkeit. Höchste Zeit also, sich die typischen Merkmale KI-generierter Sprache anzuschauen – und zu überlegen, wie man ihnen mit guten Prompts und UX-Verstand begegnen kann.
Was KI-Texte verrät: Muster, die auffallen
Ob LinkedIn-Post, Blogartikel oder Onboarding-Text: KI-Sprache hat wiedererkennbare Eigenschaften. Viele davon ergeben sich aus dem statistischen Prinzip, auf dem große Sprachmodelle basieren: Sie berechnen die wahrscheinlichste Fortsetzung eines Satzes – nicht die klügste, mutigste oder menschlichste.
Typisch ist zum Beispiel die überstrukturierte Sprache. Absätze folgen oft einer Schablone: Einleitung, Dreierschritt, Fazit. Es klingt durchdacht – und ist es auch –, aber es fehlt die organische Bewegung, das Unperfekte, das Zwischen-den-Zeilen. Dazu kommen Wiederholungen: Dieselbe Aussage taucht mehrfach auf, nur mit leicht anderem Wording. Auch inhaltlich merkt man schnell, dass vieles generisch bleibt. Tiefe fehlt. Echte Perspektiven fehlen. Oft gibt es keine neue Idee, sondern nur eine Sammlung von bereits tausendmal Gesagtem.
Ein weiteres Indiz sind Quellen. Sprachmodelle geben manchmal Quellen an, die es gar nicht gibt – sogenannte Halluzinationen. Oder sie liefern Belege, die formal korrekt klingen, aber nichts belegen. Auch sachliche Fehler schleichen sich ein, gerade bei Fachthemen. Und nicht zu vergessen: die überkorrekte Sprache. Grammatik und Zeichensetzung sind makellos – und damit manchmal verdächtig rund. Kaum jemand schreibt so im echten Leben.
Was fast immer fehlt, sind Emotionen, persönliche Erfahrungen oder Haltung. Ein Mensch würde vielleicht schreiben: „Mich hat das damals echt genervt.“ Eine KI schreibt eher: „Diese Herausforderung erfordert eine angemessene Lösung.“ Klingt professionell – fühlt sich aber nicht lebendig an.
Wie Erkennungstools arbeiten – und wo ihre Grenzen liegen
KI-Erkennungstools wie GPTZero, Originality.ai oder Turnitin analysieren Texte auf typische Merkmale maschineller Sprache. Zwei Werte stehen dabei im Zentrum: Perplexity – das Maß für die Vorhersehbarkeit von Wörtern – und Burstiness – also wie stark Satzlängen und Ausdrucksformen variieren.
Ein KI-Text ist meist sehr „vorhersehbar“ und rhythmisch gleichförmig. Das lässt sich messen. Auch typische Formulierungen wie „nicht zuletzt“, „eine zentrale Rolle spielt“ oder „es sollte bedacht werden“ gelten als Hinweis. Trotzdem: Diese Tools liefern keine Beweise, sondern Wahrscheinlichkeiten. Und sie liegen daneben – sowohl bei sehr guter menschlicher Sprache als auch bei untypischer KI-Ausgabe.
Was wirklich hilft: Gutes Prompting mit Haltung
Die einfachste und wirkungsvollste Methode, um KI-Texte menschlicher zu machen, beginnt beim Prompt. Und zwar nicht technisch, sondern stilistisch. Wenn man ChatGPT einfach sagt: „Schreib einen Text über UX und Gesundheit“, bekommt man genau das: einen Text über UX und Gesundheit. Wenn man dagegen sagt: „Ich bin UX-Designerin und schreibe gerade einen Blogartikel über die Herausforderungen in der digitalen Gesundheitskommunikation. Mein Stil ist klar, leicht kritisch, aber freundlich – keine Marketingphrasen, gern mit persönlichen Beobachtungen“, dann sieht das Ergebnis schon ganz anders aus.
Es hilft auch, den Rahmen enger zu ziehen. Etwa so: „Gib mir nur die drei wichtigsten Aspekte. Keine Füllsätze. Kein Rundumschlag. Fokus auf Tiefe, nicht Breite.“ Damit reduzierst Du automatisch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die KI in Floskeln, Wiederholungen oder Listenlogik verliert.
Auch der Stil lässt sich explizit ansteuern: „Sprich in meinem Tonfall – sachlich, aber nicht steril. Vermeide typische KI-Phrasen. Lass den Text lebendig wirken, auch wenn er nicht perfekt ist.“ Du kannst sogar sagen: „Verzichte auf Bulletpoints und strukturiere eher wie in einem Gespräch.“
Und: Du kannst jederzeit nachschärfen. Lass Dir einen ersten Entwurf generieren – und dann bitte um Varianten, Umformulierungen, mehr Konkretheit, andere Perspektiven. KI ist kein Ersatz für Sprache – aber ein Werkzeug, das besser funktioniert, je klarer Du selbst formulierst, was Du willst.
Warum das für UX entscheidend ist
Sprache ist nicht Beiwerk. Sprache ist Erlebnis. Und in der UX ist Sprache oft das erste – und manchmal das einzige – Interface, das Nutzer:innen erleben. Wenn Texte generisch klingen, leidet nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Usability. Menschen erkennen mittlerweile, wenn ein Text von einer KI stammt. Und sie reagieren zunehmend skeptisch, besonders in sensiblen Kontexten: Gesundheit, Finanzen, Bildung.
Gleichzeitig nutzen immer mehr UX-Teams KI, um Texte zu erstellen: für Prototypen, Testmaterialien, Interface-Text, sogar Forschungsskripte. Wenn diese Texte wie aus der Maschine klingen, verzerrt das Feedback. Die Wirkung eines Produkts ist nicht unabhängig vom Sprachton – im Gegenteil: Tonalität entscheidet mit darüber, ob ein Nutzer sich sicher, verstanden oder ernst genommen fühlt.
Fazit: Unperfektheit ist eine Stärke
Wer KI nutzt, um Texte zu schreiben, muss nicht zwingend perfekte Sprache erzeugen. Im Gegenteil: Oft ist das Menschlich-Unperfekte genau das, was gute Texte ausmacht. Ein bisschen Haltung, ein bisschen Kante, ein bisschen Rhythmuswechsel – all das bringt Leben in die Sprache. Und Vertrauen in die Kommunikation.
Gute Texte entstehen nicht trotz KI – sondern durch gute Steuerung der KI. Wer die typischen Muster kennt und bewusst dagegenarbeitet, bekommt am Ende Texte, die nicht nur korrekt sind, sondern wirken. Und genau das ist es doch, was gute UX ausmacht.
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Tara Bosenick
Tara ist seit 1999 als UX-Spezialistin tätig und hat die Branche in Deutschland auf Agenturseite mit aufgebaut und geprägt. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung neuer UX-Methoden, die Quantifizierung von UX und die Einführung von UX in Unternehmen.
Gleichzeitig war sie immer daran interessiert, in ihren Unternehmen eine möglichst „coole“ Unternehmenskultur zu entwickeln, in der Spaß, Leistung, Teamgeist und Kundenerfolg miteinander verknüpft sind. Seit mehreren Jahren unterstützt sie daher Führungskräfte und Unternehmen auf dem Weg zu mehr New Work / Agilität und einem besseren Mitarbeitererlebnis.
Sie ist eine der führenden Stimmen in der UX-, CX- und Employee Experience-Branche.















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